Dienstag, 20. Februar 2018

Kurz und schmerzvoll

 Lesebühne am 16. März, Salonschiff Fräulein Florentine. Mit Gast Georg Rauber

Wer beim Titel an den blöden Kanzler denkt, ist selbst schuld. Wir sind der Kunst verpflichtet, nicht Kurz. Wir meinen: Das Leben ist kurz und groß die Kunst. Sie muss aber nicht lange dauern. Darum schreiben wir euch Ein-Wort-Romane, Kurzstreckentexte, Sprintlyrik.

Mit kurzweiligem Liedgut von der "Blutgruppe" und schmerzvollen Präsenten bei der Tombola des Grauens.


Georg Rauber ist Schauspieler und Autor und wohnt derzeit in Wien. Seine Texte sind ein Potpourri aus Humor, Absurdität und Surrealität. 

“Das Herz ist ein dummer Bastard, aber es weiß, was es will.
Das Hirn ist ein schlauer Fuchs, aber es ist unentschlossen und manchmal zu vorsichtig.
Die Kommunikation zwischen den beiden stellt sich als schwierig heraus, worunter der Magen sehr leiden muss” (G.R.).

Montag, 29. Januar 2018

Der Wunsch nach Blödheit, Zwischentönen und Genie. Nachlese zur mittelmäßigen Lesebühne


Liebe Wunderkinder!

Als wir am Freitag darauf hingewiesen haben, dass sich das mit all den hochbegabten Gschroppn vom Durchschnitt her nicht ganz ausgehe, haben wir selbstverständlich nicht euch gemeint! Ihr seid tipptopp! Und eure Kinder erst! Wenn sie sich trotzdem blöd anstellen, erinnert euch an unseren Life-Hack für mehr Zufriedenheit - runter mit den Ansprüchen. Also sagen: "Es muass jo ned a jed's studieren!"
Wunderbar und über jeden Durchschnitt erhaben war erwartungsgemäß unsere Gästin Yasmo. Was die in so einen fünf-Minuten-Slot packt, ist unpackbar. Avantgarde-Feminismus, Swag, Witz, Literatur, Flow... Wir lieben Yasmo! Auch wenn sie uns alten Säcken naturgemäß die Show stiehlt. Gut, irgendwer muss das ja übernehmen mit der Mittelmäßigkeit.


Prof. Buttinger does what professors do: einführen und erklären. Es dürfte nun keine offenen Fragen mehr geben. Höchstens die, wer jetzt den Klassenkampf gewonnen hat, der angeblich passé sein soll. Fazit: Es ist sehr, sehr ungemütlich geworden in der Mittelschicht. Apropos ungemütlich - ein verdientes Hauptziel unserer humoristischen Attacken war diesesmal Innenminister Herbert "konzentiert halten" Kickl. Was hat uns der inspiriert! Erstens gab's vom Professor ein garstiges Dramolett namens "Frühstück bei Kickls", inkl. wirklich, wirklich... äh "kongenialer" (=gschissener) Reime. Am treffendsten wohl des Buttingers Umdichtung von "Stuck in the Middle with you" zu "Draht's o den Kickl in mir"; das falsettige "Faschihiiiiist!" wird uns neuronal noch lange begleiten.


Das Open Mic ergriff dann Christina Schneider, und sofort hob sich das Niveau noch einmal: man kaufe ihre "Gedichte, die mein Leben schreibt"! Ing. Monet übernahm sodann und wagte sich an einen der Größten heran - man wird den "Angel" Presleys nun lange nicht mehr anders hören können als in seiner Version: "Du schaust aus wiara Engl, du gehst wiara Engl - owa du bist / hechstns durchschnittlich!" Es folgte eine intrikate Erzählung vom mittelmäßigen Durchschnittshelden, der aber immerhin so vif ist, zu durchschauen, dass er nur eine Figur in einer Erzählung ist. Und der immerhin so mächtig ist, dass er seinen Autor stracks ermordet. Da fiel er, der Monet! zum Glück wiederauferstand er zum zweiten Text: "Komm' auf die graue Seite der Macht, mein Sohn". 


Präsidentin Meindl kam mit Daseins-Optimierungstricks dem Bildungsauftrag nach: Wenn Sie den Partner nicht mehr sehr mögen, stellen Sie sich einfach vor, Sie seien mit Herbert Kickl verheiratet. Dann bezeichnete sie die arme Donau als "Mainstream Oberösterreichs" und behelligte die Audienz mit ihren nebbichen "9,5 Problemen (Owa a Hawara is kaans)", denn es stimmt durchaus - eigentlich geht es uns eh sehr super. Und seit Freitag gibt es noch eine neue passiv-aggressive Rubrik: "Vollhonks suchen meine Nähe".

 

Die obabgebildete dramatische Gesichtsverwerfung entstand beim Versuch, ihren eigenen Ohrwurm viral auf das Publikum zu übertragen, konkret durch das Umdichten und Absingen von "I wish I were an Angel" der notorischen Kelly Family: "Maunchmoi wünscht' i i warad deeeeeeeehheeepaaat!" Man hatte sich die Tombola und drei, vier Bier danach also wirklich, wirklich verdient.  

 

Nun müsst ihr euch ganz diszipliniert gedulden - die nächste Lesebühne ist erst am 16. März! Wir haben noch keine Förderzusage und sinken deswegen sogleich wieder in unseren energiesparenden Winterschlaf. 
Oder sollen wir einen schiachen Liederabend machen? Der FPÖ-NÖ hat's auch nicht geschadet. "Faschiiiihihiiiiist!"

Dienstag, 19. Dezember 2017

Im Reich der Mittelmäßigkeit - Ist doch eh alles super!


Eröffnungslesebühne 2018
Freitag, 26. Jänner

Mit der weltbesten Stargästin: YASMO! Zwar ohne Klangkantine, dafür mit Glanz und Gloria. Der Jänner-Titel kann deswegen nur auf uns drei alte Fixensemble-Säcke gemünzt sein:
"Im Reich der Mittelmäßigkeit"

Und was wird's geben? Österreich wird endlich super! Wir von den Original Linzer Worten wollen uns dafür einsetzen, die Veränderung zu sichern. Hin zur breiten Mitte! Grad nach den Feirtagen ist das ja ein Thema. Kommet und höret, wie wir einen Ausflug nach China machen, für eine Kopie Ansfeldens in Guangshuo werben, die neue Regierung literarisch begleiten. Damit am Ende des Tages was für die Massen rauskommt!


Montag, 4. Dezember 2017

Leuchtende Kinderaugen und zermerscherte Literatur. Der schmale Grat des Kunstschaffens.

Bild: Land Oö

Da schaut's her, wir wurden für unser Lebenswerk mit dem kleinen Landespreis für Kulturarbeit prämiert! Recht offensichtlich nicht vom Herrn Kürzungshauptmann ganz rechts (sic), sondern von einer sehr lieben Jury. In drei Jahren holen wir uns dann den mittleren Landespreis, versprochen.
Glücklich kann man in Zeiten der Spar-Cholera freilich nicht leicht sein. Das ist auf dem herrlichen Bildnis schön zu sehen. LH Stelzer hat Angst vor einer verdienten Eskalation. Monet nimmt aufopferungsvoll seine schönste linksrevolutioänre Positur ein, um Präsidentin Meindl von den negativen vibes abzuschirmen. Sie soll sich freuen, denn Kinderaugen machen doch erst den Glanz einer Bescherung aus. Prof. Buttinger schaut pfiffig aus dem Dreiteiler, er bringt ein Protestbrieflein auf den Weg, das gleich heim zum LH finden wird. Darin kündigen wir ihm unsere Zuneigung auf, falls er wirklich die Literatur zermerschert wie ein dickes Kind den Kolibri. 
Das Geld nehmen wir natürlich gerne. Hoffentlich kommt es nicht als Sachspende daher (Gutschein für die Einleitung eines Glasfaserkabels, Rabattmarken für die Landesmusikschule, Eintrittskarten für die nächste Landesausstellung), denn wir haben Kinder, Enkelkinder und hungrige Bäuche zu füttern.

Donnerstag, 23. November 2017

Wir retten Oberösterreich und seine Autobahnen!


Liebes Volk!

Und so kam es, dass wir miteinander mutig in die neuen, reformierten Zeiten schreiten dürfen. Ihr wart an jenem Abend wieder so viele, dass wir das nur als bedingungslose Abstimmung mit den Füßen interpretieren können! 
Oder ihr wart bloß glühende Fans vom Gast Markus Köhle, das verstünden wir auch. Er ist ja auch super! Schreibt einfühlsam über Berlusconi-Doubles, erklärt dem Bier seine Liebe und dem Schnitzi sowieso. Bis Mitte Dezember weilt er noch in Wels, dann endet seine schöne Ära als Welser StaTTschreiber.



Die neuen Zeiten sind halt nicht die paradiesischen Zeiten, immerhin müssen wir jetzt sparen, das geht uns alle an! Grad wenn die Konjunktur brummt und das Land Alltime-Rekord-Exporte + 100 Millionen Mehreinnahmen macht, muss die Literatur solidarisch sein und den Gürtel enger schnallen. Es freut uns sehr, unsere geliebte Heimat mit unserem Fördergeld unterstützen zu dürfen!


Oben singt Prof. Buttinger "Rote Rippen soll man brechen", nachdem er zuvor schon beinahe bravourös das neoliberale Manifest für eine marktorientierte Literatur verlesen hat. Fast ohne Speiben! Präsidentin Meindl trägt einen solidarischen Brief von LH Stelzer vor, der uns den Monet wegevaluiert hat, damit unsere Verwaltung jetzt noch schlanker und effizienter ist.


Mitten drin ereilt uns die Nachricht, dass im Sinne der Regionalisierung in Zeit der Globalisierung neue Förderkriterien gelten. Das betrifft zunächst die Kleidung - die Präsidentin kommt dem umgehend nach:


Abschließend brachte die reformierte Lesebühne noch eine zeitgemäße Neufassung der Landeshymne zum Vortrag:

Mei potschate Hoamat

Ob i wü, ob i ned wü
maunchmoi denk i an späta
und i siach durch viele Tränen
wo des Spoan uns hifüan wiad
und i siach duach viele Tränen
wo der Schas uns hifüan wiad

Hoamatlaund, i hob di so gern
nimm s'letzt Hemad, denk da nix!
Und scheiß au ob i gfrian wead
jo des is mei potschat's Lebn!
Und scheiß au ob i gfrian wead
zöst vü mea ois mei klaans Lebn!

Dienstag, 14. November 2017

Die neue Literatur ist da!


Damen und Herren, Madln und Buam,

die neuen Zeiten sind schon da, wir haben die passende Literatur dazu. Und das Plakat! Am Freitag erklären wir euch, wie sich die hochsubventionierte Kultur erfolgreich vom Tropf der Steuerzahler lösen kann. Indem sie nämlich sehr gut ist und gerne von den Steuerzahlen konsumiert wird! Marktkonforme Lyrik, wertkonservatives Drama und enkelfitte Prosa!
Von Meind, Monet und Buttinger - sowie unserem Gast Markus Köhle, dem die drei Monate als Welser StaTTschreiber den Wert unserer Werte wieder wertschätzen haben lassen.

Montag, 30. Oktober 2017

Schluss mit der Kritik! Literatur für die neue Zeit

Lesebühne mit Gast Markus Köhle
Freitag, 17. November, 20 Uhr, Salonschiff Fräulein Florentine, 4040 Linz


Das Volk hat entschieden! 58 Prozent von euch haben das ewige Anpatzen und den Reformstau satt. Ihr wollt keine Willkommenslyrik und keine Sozialromantik mehr. Ihr wollt das Wir-Gefühl und den Schutz der Werte (Frau, Haus, Heimat). Wer sind wir, uns euren Gefühlen und euren Wünschen zu verweigern? Immerhin leben wir ausschließlich von eurem Steuergeld! So wollen wir uns gemeinsam auf die Reformlesebühne freuen. Gast ist der Welser StaTTschreiber Markus Köhle, der bis dahin auch noch erkennen wird, dass man nicht in die Fütterhand beißt.
Mit zeitgemäßer Volksmusik von der Blutgruppe und einer Tombola des Grauens, für die ihr halt diesmal extrem viel bezahlen müsst, weil wegen der Wettbewerbsfähigkeit.